Rosh Hashanah

Der Bund jüdischer Soldaten wünscht allen Juden chag Sukkot sameach

Sukkotfeier des Militärrabbinates 

Gerne sind wir der Einladung des Militärrabbinates in die Sukkah der Synagoge Rykestraße gefolgt. Mit Teilnehmern des "Seminars über jüdisches Leben in Deutschland und den Staat Israel" durften wir dem Vortrag des Militärbundesrabbiners Zsolt Balla über die Arba Minim und jüdisches Leben in Deutschland folgen. Die anschließende Einführung von Rabbiner Boris Ronis zerstreute dann etwaige Zweifel über den Titel des Seminars durch sehr interessierte und gezielte Nachfragen der Teilnehmer zu jüdischer Religion und Gebräuchen. 

Treffen mit der Wehrbeauftragten und dem Kommandeur der Feldjäger zur Besprechung des Mottos "suum cuique"

Am Montag trafen der Vorsitzende des Bundes jüdischer Soldaten, Oberstleutnant d.R. Rainer Hoffmann und die Mitglieder Lt d.R. und Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinde von Niedersachsen, Michael Fürst und Major Anne Ryan mit der Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, Frau Dr. Eva Högl, dem Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben, Herr Dr. Felix Klein sowie dem Kommandeur des Kommando Feldjäger der Bundeswehr und oberster Feldjägerführer, Brigadegeneral Ulf Häussler mit dem neuen Kommandeur der Schule Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr, Oberst Heiko Thieser und seinem Leiter Lehre und Ausbildung Führung, Oberst Dirk Weschollek, zusammen.

Es wurde ein sehr konstruktives und zukunftsorientiertes Gespräch hinsichtlich des Umganges mit dem Verbandsabzeichen der Feldjäger geführt.
Die Verteidigungsministerin Christine Lambrecht ließ am selben Tag Ihre Entscheidung verkünden das Verbandsabzeichen beizubehalten.

Der Bund jüdischer Soldaten steht für den Erhalt der Verbandsabzeichens der Feldjäger, fordert jedoch eine reflektierte Sensibilisierung zum Missbrauch des Mottos durch das NS-Regime.

Diskussion um "suum cuique"


Seit 1955 gibt es die Bundeswehr, spätestens seit dem 01.10.1966 gibt es jüdische Soldaten in der Bundeswehr. In all den Jahren lautet das Motto der Feldjäger suum cuique. Dieses Jahrtausende alte Motto, in seiner deutschen Übersetzung „Jedem das Seine“, wurde wie vieles andere auch von den Nationalsozialisten mißbraucht. Es steht am Eingangstor zum KZ Buchenwald.
 
Als der Bundesbeauftragte für die Bekämpfung des Antisemitismus Dr. Felix Klein darauf aufmerksam gemacht wurde, bat er die Bundesministerin für Verteidigung, Frau Christine Lambrecht, um Entfernung des Mottos von Barett und Verbandsabzeichen der Feldjäger. Dr. Salomon Korn vom Zentralrat der Juden schloß sich dieser Forderung an. Dies hat unter den Soldaten der Feldjäger zu beträchtlicher Unruhe geführt.
 
Wie immer wurden die eigentlich Betroffenen, die Soldaten, hierzu nicht gehört. Dies gilt auch für die jüdischen Soldaten der Bundewehr, die auch in der Feldjägertruppe dienen. Die Jüdische Allgemeine hat deshalb in ihrer Ausgabe vom 18. August 2022 insgesamt neun Stellungnahmen von Mitgliedern des Bundes jüdischer Soldaten zum Thema veröffentlicht. Die Meinungen reichen von, ja, das Motto sollte geändert werden, bis zu, die Soldaten können das Motto mit Stolz auf ihren Uniformen tragen. Insgesamt zeigen die Beiträge ein Beispiel guter, jüdischer Diskussionskultur, auf das wir im Bund jüdischer Soldaten stolz sind.
 
Wer es nachlesen will findet die Seite der Jüdischen Allgemeinen unter folgendem Link
https://www.juedische-allgemeine.de/politik/aufarbeitung-einer-truppenkultur/?q=Aufarbeitung%20einer%20Truppenkultur

 Stellen für Rabbinatshelfer

 

Das Militärrabbinat in Berlin hat drei Stellen für Rabbinatshelfer ausgeschrieben. Es sind konfessionsgebundene Stellen, die teilzeitfähig  und unbefristet sind. Je nach Ausbildung Ausbildung und beruflicher Erfahrung erfolgt die Eingruppierung in den Tarifvertrag des TvöD. Von Vorteil, aber nicht Bedingung ist hier sicherlich Erfahrung als aktiver Soldat und/ oder Reservist. 

https://www.bundeswehr.de/de/rabbinatshelfer-fuer-juedische-militaerseelsorge-gesucht-5385492

Mehr Informationen zum Militärrabbinat gibt es hier:

https://www.zentralratderjuden.de/der-zentralrat/institutionen/militaerrabbinat/


Ukrainehilfe

Wir sind Juden. Wir sind Soldaten. Wir sind der Maxime verpflichtet, diejenigen zu schützen, die sich selbst nicht schützen können; für diejenigen zu kämpfen, die selbst nicht kämpfen können. Die Werte zu verteidigen, die nicht zuletzt jüdisches Leben ermöglichen: Demokratie in Frieden und Freiheit. Menschlichkeit.
Wie so viele andere sehen wir nun, wie die Schwächsten der Schwachen schutz- und wehrlos der Gewalt einer ehemaligen Großmacht ausgesetzt sind. Viele kommen um.
Den Schwächsten bleibt da nur, vor dieser Gewalt zu fliehen.
Makkabi Deutschland und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) leisten gerade Großes, um Geflohenen zu helfen; die meisten unter ihnen Frauen und Kinder – gerade die, welche es zu schützen gilt.
Mit einer Spende kann man nicht nur den Helfern helfen, sondern ihnen auch ein Zeichen geben, die ihnen Kraft verleiht, weiter für diejenigen einzutreten, die schutzlos sind.
Mit jeder Spende kann man selbst etwas beitragen. Wir bitten darum. Als Soldaten. Als Juden. Als Menschen. 
https://zwst.org/de/ukrainehilfe
Spenden-Stichwort: Ukrainehilfe
IBAN: DE17 5502 0500 0009 8413 00 (Bank für Sozialwirtschaft)

https://makkabi.de/makkabi-hilft/
Makkabi Deutschland 
IBAN: DE60 1008 0000 0955 5560 00 
BIC: DRESDEFF100 
Verwendungszweck: Spende Ukraine


Purim 2022

 

Alles hat Zeit und Stunde 

 

Am 17. März 2022 durften wir in den Räumen des Zentralrates in Berlin mit Zsolt Balla und dem Team des Militärrabbinates das erste Purimfest mit der Bundeswehr-eigenen Megillat Esther feiern. Nach kurzer Probe der Rätschen begann die Lesung. 

 

Die wunderbare Stimme unseres Militärbundesrabbiners erfüllte den Raum mit einer Interpretation, die es erlaubte, der Geschichte auch ohne Lesen der deutschen oder hebräischen Geschichte der gedruckten Version der Geschichte zu folgen. 

 

Da die Chanukkafeier aufgrund der Pandemie abgesagt wurde, war dies die erste Feier eines jüdischen Festes des Militärrabbinates seit seiner Entstehung. Es war ein historischer Moment und somit der Auftakt zu vielen weiteren Feiern. 

 

Die jüdischen Soldaten vor Ort hatten Gelegenheit, das Team des Militärrabbinates bei der anschließenden Feier persönlich kennenzulernen. 

 

An diesem Purimfest war das Los der Unterdrückung, das zur Zeit von Achaschverosch auf die Juden fiel, mit direktem aktuellem Bezug zum Los der Ukrainer. Wir wünschen allen Ukrainern, dass die Geschichte nicht 13 Jahre bis zur Befreiung dauern möge, sondern dass sie ihre Freiheit vorher wiedererlangen. 

 

Den Gerechten und Ungerechten wird G´tt richten – denn eine Zeit gibt’s für alles wollen – und alle Tat daselbst. Kohelet 3,17 

 

Dem Team des Zentralrates danken wir - last but not least - für seine Gastfreundschaft! 

 

Purim 5782/ 2022 

 

 

 

Soldaten in der Budge-Stiftung – auch beim Gedenken an Yom HaShoah

Soldaten, die an Yom HaShoa in stillem Gedenken verharren – in Israel ein gewohnter Anblick. Die Soldaten wissen, wofür sie stehen. Aber in Deutschland?

Die Pandemie bringt es mit sich, dass Bundeswehrsoldaten in Gesundheitsämtern, Impfzentren und in Altenheimen einen wichtigen Beitrag leisten bei der Bekämpfung eines unsichtbaren Feindes. Sie wissen, wofür sie stehen. Auch im Heim der Budge-Stiftung. Die Soldaten unterstützen dort das Pflegepersonal im Testzentrum des Hauses. 

Es hat sich etwas wie Kameradschaft dabei entwickelt. Die jungen Männer tauschen sich viel mit den Heimbewohnern aus, etwa dann, wenn die Senioren sich danach erkundigen, ob die Soldaten nicht Heimweh hätten. Alt und Jung erzählen dann gegenseitig von ihren Familien – auch ein Bild, welches jeder kennt, der mal in Israel war. In einer jüdischen Einrichtung wie der Budge-Stiftung gehört das auch zum Alltag, aber statt mit israelischen eben mit deutschen Soldaten.

Auffallend und ein ganz besonderer Anblick ist, wie jeden Nachmittag sich der Heimbewohner Abraham Lipshitz  zu Marcel setzt, einem der Soldaten im Testcenter, dessen Arm reichlich tätowiert ist. Der Kontrast könnte nicht dramatischer sein: der Arm des 93-jährigen Auschwitz-Überlebenden ist auch tätowiert - freilich ganz anders als bei Marcel. 

Nachdenklich betrachten Marcels Kameraden die beiden Männer. Zwischen ihnen hat sich eine ungewöhnliche Freundschaft entwickelt. 

Oft zieht der hochbetagte Abraham Lipshitz an seiner FFP2-Maske, um in die Runde zu lächeln. So kennen ihn seine Mitbewohner. Die Schwerhörigkeit im Alter macht ein Gespräch für ihn schwer. Er zeigt auf den Rabbiner des Hauses, wann immer er im Testcenter vorbei kommt. Die jungen Männer haben viele Fragen, Rabbiner Steiman kommt mit ihnen gut ins Gespräch. Er war selbst viele Jahre in der Militärseelsorge tätig bei den US-Streitkräften und ist den Umgang mit Soldaten gewohnt, wie unschwer zu erkennen ist.

Am Yom HaShoa war es den Soldaten ein Bedürfnis, beim Gedenken in der hauseigenen Synagoge dabei zu sein. Der ehemalige Militärseelsorger nahm ihre Bedenken bei der Frage, ob sie in Uniform kommen sollen, sehr ernst. Nach eingehender Besprechung waren sich alle einig: wie in Israel sollen Soldaten einer Verteidigungsstreitmacht wissen, wofür sie stehen - und das auch zeigen.

So kam es, das deutsche Soldaten in einer jüdischen Einrichtung dabei waren, als am Yom HaShoa der Millionen Ermordeter gedacht wurde. Als die Soldaten schweigend vor den Gedenkkerzen Haltung annahmen, flüsterte eine Bewohnerin: „Wie in Israel“, und wischte sich eine Träne aus dem Auge. Zuvor zündeten die Soldaten abwechselnd die sechs Gedenkkerzen an. Es war ein beeindruckendes Bild.

Diese Soldaten wissen, wofür sie stehen. Mehr noch: sie stehen auch Trauernden bei. Vorbildlich. Menschlich. Die Bundeswehr kann stolz auf sie sein. In Israel ist man auch stolz auf eine vorbildliche und menschliche Truppe.

Es wurde Zeit, dass Soldaten in deutscher Uniform mit gutem Beispiel für ihre Kameraden vorangehen. Vielleicht macht das Beispiel Schule, damit Bundes-wehrsoldaten überall an ihren Einsatzorten wissen, wofür sie stehen - und die Bevölkerung das Signal auch sieht und versteht. Zu wünschen wäre es.

Vielen Dank den Soldaten des 3. ABC-Abwehr-Battalions 7, die in der Budge-Stiftung gegen Corona kämpfen und an Yom HaShoah mit hochbetagten Überlebenden trauerten.

 

                                                                                   Elisabeth Heinrich,

                                                                                   Bewohnerin der Budge-Stiftung

 

 

 

Ein Bagel, ein General und ein Rabbiner


Colin Powell ist tot. Unser Gastautor, Rabbiner Andrew Steiman, hat ihn als warmherzigen und klugen Mann kennengelernt. Ein Nachruf

Mit einem Bagel in der Hand bestieg ich mittags den Paternoster, hinter mir ein Schatten. Als ich mich umdrehte, erkannte ich General Colin Powell, Chef des Hauses. Mit einem hurtigen Schritt stieg er in die Kabine zu mir ein. Ich nahm Haltung an und salutierte – mit dem Bagel. „A Bagel!“ bemerkte er mit einem breiten Grinsen, und: „I love Bagels!“ Daraufhin bot ich ihm den Bagel an. Man konnte den Paternoster langsam hochfahren hören, während er den Bagel anschaute, um ihn mir nach einer langen Sekunde endlich aus der Hand zu nehmen. Er biss einmal rein, schloss  kurz die Augen, machte sie wieder auf und drückte mir den angebissenen Bagel mit einem anerkennenden Blick zurück in die Hand. Im Kauen drehte er sich wortlos um und stieg in aller Ruhe aus dem Paternoster aus.

So lief meine erste Begegnung mit Colin Powell ab – über ein halbes Leben ist das her. Damals war er Chef des fünften Armeekorps in Frankfurt, ich dort Übersetzer. Unser Arbeitsplatz war das „Abrams Complex“ mit dem langgezogenen ehemaligen IG-Farben-Haus in der Mitte.

Er kam danach regelmäßig in das Übersetzer-Büro – immer mit einem frischen Bagel, den wir miteinander teilten. Wo es welche auf dem weitläufigem Gelände gab, war nicht schwer herauszufinden: in der Jewish Chapel auf dem Gelände gleich hinter dem „Abrams Building“, wie das wuchtige Bürohaus aus den 1920er Jahren bei uns damals hieß. Wir unterhielten uns viel, auch über Politik, machten uns lustig über Rassisten und Antisemiten, tauschten uns aus über unsere gemeinsame Heimat New York – aber auch über die Zeichenbretter, an denen die Pläne zum KZ Auschwitz-Monowitz entstanden sind – in ebenjenem Gebäude, in dem wir gerade saßen.

Colin Powell war dafür bekannt, sich für sein Umfeld zu interessieren. Auch dafür, Berichte direkt beim Verfasser anzuschauen statt bei den Vorgesetzten, die sie in Auftrag gaben. So kam es, dass er auch bei uns Übersetzern öfter vorbeischaute, um unsere Berichte zu besprechen. Und immer mit einem zum Ritual gewordenen Bagel in der Hand.

Eine Einladung in die Chapel (damals war ich auch in der Militärseelsorge tätig) nahm er freudig an und wurde dort ein gern gesehener Gast. Einmal kam er zu den Hohen Feiertagen, setzte sich eine Kippa auf und nahm hinten Platz. Als die anwesenden Soldaten ihn erkannten, standen sie vor ihm auf. Einer von ihnen berichtete mir, wie der General reagiert hat: „beim Gebet hat man sich nur vor Gott zu erheben“, bemerkte er, und so möge man bitte wieder Platz nehmen. Beim Kiddusch (jüdisch traditioneller Imbiss nach dem Beten) mischte er sich unters Volk und spielte mit den Kindern. Als geborener New Yorker waren ihm die jüdischen Feiertage bestens bekannt, und jiddische Ausdrücke gehörten für ihn zum Alltag. Man sah es ihm an, dass er sich in der Chapel wohlfühlte. Auch umgekehrt fühlte man sich in seiner Gegenwart wohl.

Einmal nahm er mich bei einem Kiddusch beiseite und lobte mich für meine Predigt. Ob ich nicht Rabbiner werden wollte? Übersetzer gäbe es schließlich genug; als Rabbiner könnte ich meinen Anteil zu einer besseren Welt beitragen. Dann nahm er ein Bagel vom Buffet, schaute mich beim genüsslichen Kauen freundlich an und salutierte zum Abschied, die Backen noch mit dem Bagel gefüllt.

Diesen Salut erwidere ich nun traurig. Er war ein Vorbild und prima Vorgesetzter. Mehr noch: eine Inspiration. Der Beweis: Ich bin Rabbiner. Einem Bagel und einem General sei Dank.

Rabbiner Steiman lebt in Frankfurt am Main